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Wohnhäuser und Villen

Wohnhäuser der antiken Kulturen

Minoische Wohnhäuser
Griechische Wohnhäuser
Etruskische Wohnhäuser
Römische Wohnhäuser
Keltische Häuser
Germanische Häuser

Minoische Wohnhäuser

In Akrotiri auf der griechischen Insel Santorini finden sich sehr viele schöne Beispiel für die hochentwickelte Wohnkultur der Minoer. Im Erdgeschoß dieser Häuser lagen in der Regel Wirtschaftsräume. Die Temperatur- und Feuchtigkeitswerte blieben in diesen Räumen aufgrund der kleinen Fenster recht konstant, so daß sie auch zur Lagerung verderblicher Waren geeignet waren. Durch eine Vorhalle konnte man über eine Steintreppe den ersten Stock erreichen. Hier finden sich meistens mehrere unterschiedlich große und oft auch kunstvoll ausgemalte Zimmer. Teilweise wurden Schieferplatten als Fliesen benutzt. Oft gab es im Obergeschoß auch einen Baderaum, der bereits mit einem Anschluß an die Kanalisation versehen war. Als Dach nutzten die Minoer wahrscheinlich Flachdächer aus gestampfter Erde, die durch eine Schicht aus Schilf abgedeckt waren.

Minoisches Wohnhaus

Bildquelle: P.M. History - Ausgabe Juni 2004

Griechische Wohnhäuser

Pastashaus
Prostashaus
Peristylhaus

Pastashaus
Das Pastashaus konnte vor allem anhand der Funde in Olynth (Nordgriechenland) sehr gut erforscht werden. Es war typischerweise zweistöckig und besaß ein Pultdach aus Tonziegeln. Das meist quadratische Pastashaus betrat man zunächst über eine Prothyron genannte kleine Vorhalle. Oft führte von dort eine zweite Vorhalle in das Andron, das Speisezimmer der Männer mit den Klinen und einem von Kieselmosaiken gemschmückten Fußboden.

An dessen Wänden stehen erhöht die Klinen, den Fußboden schmückt oft ein Kieselmosaik. Vom Prothyron aus gelangt man auf den gepflasterten Hof (Aulê). Dieser besitzt entweder an einer oder an mehreren Seiten Säulengänge. In einer Ecke des Hofes findet sich die Treppe zum Obergeschoss.
Nördlich an den Hof schließt sich eine meist die ganze Hausbreite einnehmende Querhalle, die Pastas, nach der der Haustyp benannt ist, an. Entweder im Hof oder in dieser Pastas hat der Hausaltar seinen Platz. Wiederum nördlich der Pastas sind die wichtigsten Wohnräume angeordnet. Im Hauptraum (Oikos) befindet sich der Herd, daneben die nicht sehr große Küche (Optanion), die auch als Rauchabzug für den Oikos dient. Mitunter besitzen Pastashäuser in diesem Bereich auch ein Badezimmer (Balaneion), nicht aber Latrinen. Außer dem Hauptraum liegen hier noch weitere Wohnräume (Diaiteria).[1]
Das Pastashaus hat kaum Fenster nach der Außenseite, sondern die Räume erhalten Licht und Luft von der Hofseite her. Mitunter verfügt ein Pastashaus auch noch über einen Laden an der Straßenseite, der aber vom Wohnbereich vollkommen getrennt ist.
Die Fundamente und die Wandsockel weisen eine Dicke von etwa 50 Zentimetern auf und sind aus Bruchstein gemauert. Nach oben schließen sich Lehmziegelmauern an, die verputzt (meist rot, weiß oder blau) und stuckiert sind. Durch eingeritzte Linien wird im unteren Bereich Quaderwerk vorgetäuscht.

Prostashaus
Kern des Prostashauses ist der Oikos mit Vorhalle (Prostas), im Prinzip eine Weiterentwicklung des bronzezeitlichen Megaron. Um den Hof können sich noch je nach Wohlstand und Platz weitere Räume gruppieren wie ein Andron oder eine Exedra. Im Gegensatz zum Pastashaus bilden der Oikos und die Vorhalle (Prostas) eine Einheit, die nur einander zugeordnet sind und bleiben als solche vom Hof aus erkennbar. Das Prostas bleibt Vorhalle und nimmt nie den Charakter eines Korridors wie die Pastas an. Dem Oikos seitlich angegliedert sind in der Regel zwei kleinere Nebenräume. Der hintere gilt im Allgemeinen als Kammer, während der vordere, zumeist vom Hof aus erschlossen, als frühes Andron gedeutet wird.
Beispiele von Prostashäusern wurden in Priene, Kolophon, Pergamon und aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. auch in Vroulia ergraben. Das Haus 33 in Priene zeigt beispielhaft, wie ein Prostashaus aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. mit Hilfe des Nachbargrundstückes zu einem mehr als doppelt so großen Prostashaus des 2. Jahrhunderts v. Chr. erweitert wurde.

Peristylhaus
Das Peristyl wurde als Bautyp in der griechisch-hellenistischen Architektur entwickelt und tritt seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. auf. Es verbindet den Gedanken des Innenhofes mit dem der Stoa (Säulenhalle).[1] Der gepflasterte Innenhof hat einen rechteckigen oder quadratischen Grundriss und ist auf allen vier Seiten von gleichmäßig gestalteten Hallen umgeben, die sich mit Säulenstellungen zum Hof hin öffnen. Die Rückseiten der Hofhallen können entweder an weitere Gebäudeteile oder an eine Außenwand angrenzen. Peristyle können auch zweistöckig gebaut werden, der dabei im Obergeschoss entstehende Umgang verfügt dann über eine kleinere Säulenstellung mit eingezogenen Brüstungen. Das Peristyl ist oft ein zentraler Bestandteil des herrschaftlichen Wohngebäudes (beispielsweise in den Palästen auf dem Burgberg von Pergamon) und über die Säulenhallen unmittelbar mit weiteren repräsentativen Räumen wie dem Andron verbunden.

Im Verlauf des 2. Jahrhunderts v. Chr. wurde das Peristyl in die römische Architektur übernommen und zum so genannten Gartenperistyl (oft in Villen und Palästen verwendet) weiterentwickelt.

Stadthäuser
Atriumhaus
Peristylhaus
Insula
Häuser in vici
Streifenhaus
Villen und Paläste
Villa urbana
Paläste

Wohnbauten - Stadthäuser

Das römische Stadthaus (Domus) entwickelte sich aus dem einfachen Atriumhaus, wie es schon die Etrusker kannten. Es war achsensymmetrisch um einen zentralen Innenhof (Atrium) angelegt, der in der Mitte ein Auffangbecken für Regenwasser (Impluvium) besass und in den man von der Strasse aus durch ein Vestibül (Vestibulum) und eine Eingangshalle (Fauces) gelangte. Darum gruppierten sich der Empfangsraum (Tablinium), der Essraum (Triclinium), die Küche und eine Reihe kleinerer Schlafzimmer (Cubicula). Hinter dem Tablinium schloss sich ein Garten (Hortus) an. Gegen Ende der Republik wurden die römischen Häuser architektonisch anspruchsvoller. Insbesondere bei dem als Villa urbana (Stadtvilla) bezeichneten Gebäudetyp wurde der Garten um einen Säulengang (Peristylium) erweitert, der häufig von weiteren Räumen flankiert wurde. Die Wohnhäuser der vornehmen Bürger konnten sich so über ein ganzes Strassenquadrat erstrecken, wie das bekannte Haus des Faun in Pompeji, das zu Beginn des 2. Jahrhunderts v. Chr. erbaut wurde.

Wohnbauten: Villen und Paläste

Ein weiterer Gebäudetyp ist das römische Landhaus (Villa rustica), häufig ein ganzer Gutskomplex mit ausgedehnten Ländereien und Wirtschaftsräumen. Eine der besterhaltenen römischen Villen ist das Landhaus des Hadrian in Tivoli (Baubeginn 118 n. Chr.), das in seiner weiträumigen Anlage zugleich ein gutes Beispiel für die Verfeinerung des Baustiles in der Kaiserzeit darstellt. Kaiser Augustus (Regierungszeit 27 v. Chr. bis 14 n. Chr.) besass eine Residenz auf dem Palatin in Rom. Unter der Herrschaft von Kaiser Domitian wurde in der Nähe dieser Residenz ein grosser Palast (Baubeginn 81 n. Chr., Fertigstellung 92 n. Chr.) durch den Architekten Rabirius (tätig 63-100 n. Chr.) errichtet. Domitians Domus augustana, das auch einigen Nachfolgern als Kaisersitz diente, verfügte zusätzlich zu den privaten Gemächern über grosse Empfangshallen, öffentliche Essräume, Brunnenanlagen und einen Park.

Wohnbauten: Städtische Mietshäuser

Ärmere Stadtbewohner, die sich kein eigenes Wohnhaus leisten konnten, wohnten in so genannten Insulae (lateinisch: Inseln), mehrstöckigen freistehenden Gebäuden aus Backstein- und Steinmörtel ohne Garten, die Ähnlichkeit mit Mietshäusern unserer Zeit hatten. Die am besten erhaltenen Insulae fand man in Ostia, dem antiken Hafen von Rom, an der Mündung des Tiber. Sie stammen aus dem 2. und 3. Jahrhundert n. Chr.

Städte
Welche Siedlung zu römischer Zeit als Stadt bezeichnet wurde, entschied letztlich ihr rechtlicher Status. Die Koloniestädte besaßen römisches Recht, wodurch ihre Bürger dieselben
Rechte wie die Bürger Roms hatten. Die Munizipien dagegen waren Städte latinischen Rechts, ihre Bürger besaßen weniger Rechte. Die Mehrzahl der Städte in den römischen
Nordwestprovinzen geht auf Neugründungen durch die Römer zurück. Meist besaßen sie ein rechtwinkelig angelegtes, befestigtes Straßensystem, das typisch für eine römische
Planstadt war. Die einzelnen Blöcke, die durch die sich im rechten Winkel schneidenden Straßen entstanden, hießen insula (Insel). Eine insula umfasste in der Regel mehrere Häuser.
Die städtebauliche Planung schloss die Errichtung bestimmter Bauten und Einrichtungen von vornherein ein. Dazu gehörten zum Beispiel - möglichst im Zentrum der Stadt - ein Forum
als Versammlungsplatz und Ort der Gerichtsbarkeit, ein Gebäude für die Versammlung der Ratsherren der Stadt, die curia, sowie Heiligtümer für die kapitolinische Trias und den
Kaiserkult. Daneben gab es große Marktplätze oder Markthallen - die Orte des wirtschaftlichen Lebens - sowie öffentliche Bäder, Theater und Amphitheater zur Unterhaltung der
städtischen Bevölkerung. Die Anlage einer Kanalisation war Standard in einer römischen Stadt und bezeugt den hohen zivilisatorischen Standard. Städte waren überregionale
Zentralorte mit wirtschaftlich herausragender Bedeutung. Das wirtschaftliche Wohlergehen der Städte zeigte sich auch an öffentlichen Gebäuden und Monumenten, die aus Stein
oder kostbarem Marmor errichtet wurden. Finanziert wurden diese Bauten in der Regel von den Bürgern selbst. Viele prachtvolle Wohnhäuser bezeugten langanhaltende Blütephasen
im regionalen und überregionalen Handel.





Vici - Die dörfliche Siedlung
Die Bezeichnung vicus kann sich auf Siedlungen ganz unterschiedlicher Größe beziehen - von der Straßenzeilensiedlung bis zur stadtähnlichen Anlage. Oft fehlt aber die übergreifende
Stadtplanung und das rechtwinkelige Straßenraster. Häufig bildete sich vor den Toren eines befestigten Auxiliarkastells (Lager von Hilfstruppen) eine Zivilsiedlung, ein Kastellvicus,
in der anfangs die Familien der Soldaten, Handwerkern und Kaufleuten lebten. Die wirtschaftliche Grundlage dieser Siedlungen bildeten zunächst die im Kastell stationierten Soldaten,
die ihren Sold für Waren und Dienstleistungen ausgaben, die im vicus zu bekommen waren. Bodenschätze und ihre Weiterverarbeitung bildeten oft die Basis für eine Siedlungsgründung.
Vici entstanden um Töpfereien oder Erzhütten, auch gut besuchte Heil- oder Thermalquellen konnten der Grundstein einer Dorfbildung sein. In ihrem Erscheinungsbild unterschieden
sich die vici von den Städten. Zwar standen in manchen vici große öffentliche Gebäude wie Theater oder Thermen, die Regel war dies jedoch nicht. Ihre typische Bebauung bestand
aus Streifenhäusern, die längs ausgerichtet waren und eng nebeneinander lagen. Ein- oder zweistöckig waren sie in der Mehrzahl in Fachwerktechnik errichtet - nur selten waren sie
aus Stein gebaut. Ihre Schmalseiten lagen zur Straße hin, wo eine Werkstatt oder ein Ladenlokal eingerichtet war. Im mittleren und hinteren Gebäudeteil befand sich der private Bereich,
in dem Wohn-, Schlaf- und Vorratsräume sowie die Küche untergebracht waren.